Bekenntnis pro Schloss – Chance für die Zukunft


Lobende Anerkennung für den Amtsvorgänger für das enorme und unnachgiebige Engagement: Bürgermeister Horst Martin überreichte an Theo Schaubel (links) als dank eine Ehrengabe.



Dank auch an die Museumleiterin und das ganze Schloss-Team: Elke Osterloh erhielt von Bürgermeister Horst Martin als Zeichen der Anerkennung ihrer Arbeit ein Geschenk.



Ein Exemplar des neuen, in Kürze in Buchform erscheinenden Schloss-Museumsführers überreichte Direktor Prof. Dr. Siebenmorgen (rechts) an Bürgermeister Horst Martin.



Ein Bild der Partnerstadt Gössnitz in Thüringen fürs Schloss – das überbrachte der dortige Bürgermeister Wolfgang Scholz (rechts) seinem Neuenbürger Amtskollegen Horst Martin.



Ein engagierter Landrat bei seiner Rede Karl Röckinger ist von einer guten Zukunft des Schlosses überzeugt und gab zu verstehen, dass sich der Enzkreis nach wie vor durch finanzielle Unterstützung zu diesem kulturhistorischen Kleinod in Neuenbürg bekennt.

Jubiläum Schloss Neuenbürg:

Rückschau auf zähes Ringen vor der Eröffnung und auf zehn Jahre regen Betrieb


Vom Percussion-Ensemble der Jugendmusikschule unter Leitung von Markus Bodamer musikalisch eröffnet und mit zahlreichen Ehrengästen aus nah und fern wurde am vergangenen Freitag im Festzelt im Schlossgarten der zehnjährige Jahrestag der Einweihung des Schlosses gefeiert. Darunter waren Ministerialrätin Karin Schulz vom Finanzministerium sowie Ministerialrätin Dr. Andrea Melcher vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg; Manuel Samuel Gomes (portugiesischer Konsul in Stuttgart); Landrat Karl Röckinger; Direktor Prof. Dr. Harald Siebenmorgen vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe Michael Hörrmann (Geschäftsführer der Schlösser und Gärten in Bad.-Württ.) sowie weitere Vertreter staatlicher Behörden und anderer Institutionen, aber auch Bürgermeister der  umliegenden Gemeinden Bürgermeister Horst Martin betonte in seiner Begrüßungsansprache, es sei ein langer Weg gewesen, bis das Schloss mit seinem einzigartigen Museum, mit seinen Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen und mit der Gastronomie 2001 seiner neuen Bestimmung übergeben werden konnte. Das Neuenbürger Schloss habe eine Jahrhundertealte Geschichte. Die zurückliegenden zehn Jahre seit der Eröffnung seien zwar nur ein kleiner Teil dieser Geschichte, für die Stadt aber ein sehr wichtiger Zeitraum. Die Stadt Neuenbürg habe in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in Zusammenhang mit den damaligen Reformen erstmals ein gewisses Nutzungsrecht des Schlosses erhalten und Überlegungen zur Schaffung eines Museums angestellt. Dann aber habe das Land als Besitzer mitgeteilt, dass das Schloss veräußert werden soll. „Dies ließ nicht nur im Rathaus meinen Amtsvorgänger, Bürgermeister Theo Schaubel und den Gemeinderat aufhorchen, sondern auch viele Einwohner dieser Stadt, die absolut nicht damit einverstanden waren“, sagte der Bürgermeister.


Vonseiten des Landes sei dann die Auffassung vertreten worden, dass die Stadt Neuenbürg – sollte sie Interesse am Schloss haben – auch Eigentümerin werden müsse und damit wiederum seien weder Gemeinderat noch Bürgermeister einverstanden gewesen, so dass der Kauf 1989 einstimmig abgelehnt wurde. Dann habe ein Verhandlungsmarathon ohnegleichen begonnen, an dessen Ende letztendlich das Land Eigentümer blieb und mit der Stadt eine gemeinsame Nutzung und hinsichtlich der Restaurierung und des Umbaus eine Aufteilung der Kosten vereinbarte. „Der Anteil der Stadt – sechs Millionen DM standen zur Debatte – hätte nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden können, weshalb Zuschüsse aus dem Denkmalnutzungsprogramm sowie vom Enzkreises von großem Nutzen waren“, sagte Horst Martin.


Tragfähiger Kompromiss


Es habe schließlich noch einige Jahre gedauert, bis es zur Vertragsunterzeichnung kam und mit den Arbeiten begonnen werden und dann 2001 die Einweihung erfolgen konnte. Zu würdigen sei das enorme Engagement  von Bürgermeister i. R. Theo Schaubel, der mit starker Willenskraft die zähen Verhandlungen gemeistert, die finanzielle Machbarkeit ausgelotet und die Interessen der Stadt Neuenbürg vertreten habe. So sei ein allseits tragbarer Kompromiss gefunden worden. Deshalb dankte Horst Martin seinem Amtsvorgänger und überreichte ihm dann im Lauf des Abends eine aktuelle Sonderprägung der Schloss-Medaille und ein Geschenk. Dank sagte der Bürgermeister zudem allen, die – egal an welcher Stelle und in welcher Funktion und Verantwortung – ebenfalls um tragbare Lösungen mit gekämpft haben.  Besonderer Dank galt dem Badischen Landesmuseum mit Direktor Prof. Dr. Harald Siebenmorgen, der vehement hinter der Realisierung des neuen Zweigmuseums in Neuenbürg gestanden hat. Ebenso habe es das Büro Otto Jolias Steiner in der Schweiz verdient, auch nach zehn Jahren Lob und Anerkennung zu erfahren. Die außergewöhnliche Konzeption und Ausarbeitung der Darstellung des Schwarzwaldmärchens „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff, finde bei den Besuchern nach wie vor Bewunderung. Zehn Jahre seien nun vergangen, in denen das Schloss unter der Obhut des Landes, des Enzkreises und der Kommune Besucher anlocken konnte. „Doch sind es genug, um dem Schloss, speziell dem Museum mit seinen zusätzlichen Räumlichkeiten für Sonderausstellungen eine lange, gute Zukunft zu sichern?“ Einen gewissen „Unterton in Moll“ müsse man diesbezüglich anklingen lassen, fügte Horst Martin an. Das Schloss sei schließlich nicht allein nur für die Neuenbürger umgebaut und saniert worden, sondern für Besucher aus nah und fern – auch über die Landesgrenzen hinaus.


Trotz Festtagsfreude müsse man gestehen, dass der Stadt jährlich durch den Betrieb ein Abmangel von 250.000 € entstehe, wobei dem „Stadtsäckel“ allerdings 50.000 € davon erspart bleiben, weil der Enzkreis durch jährliche finanzielle Beteiligung das Schloss nachhaltig unterstütze. Dafür dankte er  Namens der Stadt, des Gemeinderates und auch persönlich dem Enzkreis und speziell Landrat Röckinger. Wörtlich: „Ohne den Enzkreis wäre das schöne kulturhistorische Kleinod Schloss schlicht nicht denkbar“. Eine Kommune in der Größe Neuenbürgs könne aufgrund der gegebenen finanziellen Situation dies nicht alleine stemmen. „Das Schloss soll weiterleben; soll seine Zukunft haben und es soll – im Verbund mit der Sankt-Georgs-Kirche am Schlossberg, aber auch dem Besucherbergwerk – Mittelpunkt unserer Stadt und ein Magnet für Besucher bleiben“. Deshalb könne er nur an alle Beteiligten appellieren, die Stadt in dem Bemühen zu unterstützen, das Schloss erfolgreich voran zu bringen und ihm eine Chance für die Zukunft zu geben. Für die Bürgerschaft wie für den Gemeinderat bedeute dies, das „Eine“ zu tun damit das „Andere“ finanzierbar und somit lebensfähig bleibe.


Was beeindrucke, das sei die Tatsache, dass fürs Schloss – und nicht nur dafür, sondern auch fürs Bergwerk und andere soziale, kulturelle und sportliche Bereiche – in vorbildhafter, umfangreicher Weise ehrenamtliche Arbeit geleistet wird. Gerade fürs Schloss gelte, dass ohne ehrenamtliches Engagement von vielen, vor allem aber vom „Förderkreis“, manches nicht machbar und damit der Betrieb in seinem jetzigen Umfang nicht möglich wäre. Es sei Arbeit, die Kosten spare und somit Besonderes erst möglich mache. Deshalb gelte allen, die sich fürs Schloss engagieren herzlicher Dank. Zum Abschluss des Festaktes gab es dann für alle hauptberuflich wie ehrenamtlich Engagierten ein kleines Geschenk.


Lob und Dank des Enzkreises  
Das Schloss habe nach zehn Jahren nichts von seinem Glanz verloren, im Gegenteil, es habe sich zum Wahrzeichen der Stadt und einem touristisch attraktiven Kleinod gemausert., gab Landrat Karl Röckinger zu verstehen. So gesehen sei der zehnte „Geburtstag“ nicht nur für die Stadt Neuenbürg ein wichtiges Datum, sondern auch für den Enzkreis und die ganze Region Nordschwarzwald. Auch dem Enzkreis habe das Schloss und mit ihm das Museum von Anfang an sehr am Herzen gelegen. Der Enzkreis beteilige sich deshalb auch finanziell: Im Jahre 2001 habe der Kreis Investitionskosten in Höhe von 1,7 Millionen DM übernommen und leiste zudem einen jährlichen Zuschuss zu den Unterhaltungs- und Betriebskosten für das Museum, nämlich ein Drittel des Defizits in Höhe von max. 50.000 Euro. Wörtlich: „Das ist kein Pappenstiel, doch wir investieren ja schließlich nicht in ein Luftschloss!“. Der Enzkreis unterstütze auch gerne die besonderen Veranstaltungen, die in regelmäßigen Abständen „Leben in die Bude“ bringen. Obwohl die Kommune Neuenbürg finanziell wirklich nicht auf Rosen gebettet sei, bekenne sie sich trotzdem zu der verantwortungsvollen Aufgabe Schloss. Der Landrat wörtlich: „Böse Zungen behaupten ja, Verantwortung entstehe dadurch, dass man nicht rechtzeitig Nein sagt, doch in Neuenbürg war das anders: Der ehemalige Bürgermeister Theo Schaubel, wie sein Nachfolger Horst Martin und der Gemeinderat haben bewusst >Ja< zu dieser Aufgabe gesagt, wohl wissend, dass das Schloss zwar ein Zuschussgeschäft ist und bleiben wird, es jedoch nicht nur eine Chance, sondern auch eine große Verpflichtung darstellt“.


Arbeit trägt Früchte


Der Erfolg gebe jedenfalls all denen Recht, die sich in der Vergangenheit mit Mut und Zuversicht dafür entschieden haben, das Schloss zu sanieren, ein Regionalmuseum einzurichten und so eine öffentliche Nutzung zu gewährleisten. Wer wagt, gewinne bekanntlich und hier in Neuenbürg haben – so der Landrat – alle Beteiligten gewonnen: Das Land, weil das Museum als Zweigmuseum des Badischen Landesmuseums Karlsruhe geführt und unterstützt wird; die Museumsmacher, weil sie zusammen mit dem Planer Otto Jolias Steiner ein zeitloses und außergewöhnliches Museumskonzept realisieren konnten und die Stadt Neuenbürg, weil es gelungen ist, den Besuchern in einer zumindest in Süddeutschland bislang einmaligen Form Geschichte zu präsentieren, nicht in Vitrinen verbannt, sondern inszeniert und erlebbar gemacht.


Dass die Arbeit Früchte trage, liege nicht zuletzt an der umsichtigen und engagierten Leitung des Schlosses. Museumsleiterin Elke Osterloh habe die Entwicklung in den vergangenen Jahren nicht nur miterlebt, sondern maßgeblich mitgestaltet. Dafür gelte ihr und ihrem Team herzlichen Dank. Zudem dankte der Landrat dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe unter der Leitung von Prof. Dr. Harald Siebenmorgen, dem Staatlichen Hochbauamt (heute: Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Pforzheim) sowie Bürgermeister Horst Martin, seinem Vorgänger Theo Schaubel und dem Gemeinderat der Stadt, weil sie über Jahre mit Augenmaß und einem guten Gespür für das Machbare die Weichen für eine gute Zukunft des Schlosses gestellt haben. Da ohne ein großes ehrenamtliches Engagement der Museumsbetrieb und das umfangreiche kulturelle Programm nicht zu stemmen sind, dankte er auch den Mitgliedern des Förderkreises und vielen anderen, welche sehr viel Herzblut in ihre Arbeit stecken.
Der Landrat zum Schluss: „Ich wünsche mir, dass es auch weiterhin gelingt, das Schloss mit Leben zu erfüllen, damit es mit seinem Museum auch in Zukunft keinen Staub ansetzen, sondern Staub aufwirbeln wird!“


Weitere Ansprachen und das Programm


Der Leiter des Badischen Landesmuseums, Prof. Dr. Harald Siebenmorgen, erwähnte in seiner inhaltsreichen Rede besonders die Vorgeschichte zur Konzeption des Museums, das Zusammenwirken mit dem Planer Otto Jolias Steiner und das Bemühen, Geschichte auf außergewöhnliche Art lebendig zu machen. Auch die Entscheidung für das Schwarzwald-Märchen „Das kalte Herz“ erläuterte er und stellte gleichzeitig in seiner Ansprache den neuen Museumsführer vor, von dem er ein paar Exemplare als Ehrengabe mitbrachte. Offiziell erhältlich ist dieses Buch mit unterschiedlichen Beiträgen von verschiedenen Persönlichkeiten in Kürze nach der drucktechnischen Fertigstellung. Desweiteren hielt Museumsleiterin Elke Osterloh Rückschau und Ausblick und erläuterte das umfangreiche vielschichtige Engagement – vor allem die ehrenamtliche Arbeit – im zurückliegenden Jahrzehnt. Mosaikartig hat sie viel Wissenswertes zusammengetragen und zum Besten gegeben. Ein Grußwort sprach zudem der Bürgermeister der Thüringer Patenstadt Gössnitz, Wolfgang Scholz, der schon vor zehn Jahren bei der Einweihung mit dabei war und die Entwicklung des Schlosses samt Museum in den vergangenen Jahren interessiert verfolgte. Über beide Ansprachen – von Prof. Dr. Harald Siebenmorgen sowie Elke Osterloh – wird nächste Woche im „Stadtbote“ ausführlicheres zu lesen sein.


Ansonsten lockte ein umfangreiches, attraktives Zwei-Tages-Programm Besucher aus nah und fern an. Dazu zählten verschiedene Konzerte in der St.-Georgs-Kirche und im Schlossgarten; viel Spiel und Spaß sowie Kreativstationen für Kinder wie für Erwachsene; eine Rad-Exkursion zu historischen Orten im Bereich der Kernstadt und das Ausprobieren von Elektro-Fahrrädern als Beitrag zum zehnjährigen Bestehen des Enztal-Radweges. Eine gute Resonanz fand auch der ökumenische Gottesdienst am Sonntag Morgen mit Pfarrer Helmut Manz von der evang. und Hansjörg Nothelfer  von der kath. Kirche sowie Hartmut Hilke von der evang.-method. Kirche.  Unterhaltsames Erleben boten schließlich unter anderem das mittelalterliche „Lagerleben“ im Schlossgarten; der Auftritt einer portugiesischen Tanzgruppe und von Jazz-Alphornbläsern; aber auch der Besuch des „Herzogs von Württemberg“ in Person (Christoph Holbein). Schließlich fanden ständig Führungen durchs Schloss, durch die laufende Sonderausstellung „Geistesblitze“ sowie durch die St.-Georgs.-Kirche statt.


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