„Hymne“ an die Heimat und
das alte deutsche Liedgut

Live-Ur-Aufführung der Liedfolge seines ersten Solo-Albums in der Neuenbürger Stadtkirche

In Zeiten von Globalisierung, günstigen Fernreisen und weltweiter Vernetzung im Internet hat „der Duft der großen weiten Welt“ sicherlich nichts von seiner Faszination verloren. Auf der anderen Seite ist es aber gerade auch der „Geruch der Heimat“, dem die Menschen wieder verstärkt anhängen. Das Bedürfnis nach Emotionalität, Tiefe und Verwurzeltsein, nach einem Stück Kontinuität in einer zunehmend als  brüchig empfundenen Welt scheint eine Renaissance zu erleben. Sein neues Solo-Album „Heimat“, mit dem sich der Tenor Jay Alexander „einen lang gehegten Herzenswunsch“ erfüllt hat, ist eine ganz persönliche Hymne an eine unbeschwerte Kindheit in Bauschlott, an ein frühes Heranführen an altes deutsches Liedgut durch die Eltern und die Großmutter. Rund 500 Zuschauer dürften es gewesen sein, welche die erstmals live gesungenen CD-Einspielungen am Freitag beim Premierenabend in der ausverkauften evangelischen Stadtkirche in Neuenbürg erlebten.

Grußwort des Bürgermeisters

Bürgermeister Horst Martin sprach freundliche Begrüßungsworte und konnte zu diesem Konzert u. a. Landrat Karl Röckinger; die beiden Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister Ernst Fischer sowie Theo Schaubel und Repräsentanten von Firmen begrüßen, welche  in dankenswerter Weise die Realisierung dieses Konzertes finanziell unterstützt haben. Sein Dank galt aber auch der evangelischen Kirchengemeinde Neuenbürg, vorne an Dekan Werner Trick, dass dieses Benefizkonzert in der Stadtkirche abgehalten werden konnte. Ebenso dankte er allen, die mitgeholfen haben, dieses Konzert zu organisieren und zum Erfolg werden zu lassen.

Sein ganz besonderer Willkommensgruß und sein herzlichster Dank galt natürlich Jay Alexander, der ohne  Bezahlung dieses Konzert geboten und damit in großzügiger Weise seine Solidarität zum „Festival“-Jahr zugunsten der „Aktion Mensch“ bewiesen hat.

Musik mache glücklich; Musik schaffe Emotionen; Musik gehe ins Herz. Dies sei an diesem Abend Jay Alexander zu danken. Die von ihm gesungenen Lieder aus der Heimat seien – wie irgendwo geschrieben stehe – ein kleines Stück vom Paradies, weil sie die Erinnerungen, Empfindungen, Schönheiten der Heimat unvergessen machen. Bürgermeister Martin wörtlich: „Heimat – dieser Begriff steht über dem Benefizkonzert, das uns von einem wunderbaren Künstler geboten wird, für den solche Lieder sehr viel bedeuten und der ein Sohn unserer Heimat ist“.

Bezirkskantor Bernhard Müller überbrachte als Vertreter der evang. Kirchengemeinde Neuenbürg im Auftrag von Dekan Werner Trick Grüße. Das klassische Volkslied, wie es die ältere Generation noch „unterm Lindenbaum“ pflegte, sei bei der mittleren und jüngeren Generation ziemlich aus der Mode gekommen. „Möge dieser Abend neu dazu beitragen, das Interesse am Volkslied in uns zu wecken, denn unsere Volkslieder sind Teil unseres kulturellen Erbes“, betonte der Bezirkskantor. Er würde sich freuen, wenn das neue Interesse nicht nur theoretischer Art wäre, denn Volkslieder pflege man am Besten singend. „Probieren Sie’s aus:  Singen tut gut, Singen macht Spaß und Singen ist gesund“, fügte er an. Deshalb wünschte Bernhard Müller viel Freude beim Konzert mit Jay Alexander und seinen musikalischen Begleitern.

Erinnerung an Wilhelm Ganzhorn

Das Benefizkonzert wurde von der Stadt Neuenbürg im Rahmen des „Festivals der guten Taten“ und mit Unterstützung der „Pforzheimer Zeitung“ sowie von Sponsoren und der evangelischen Kirchengemeinde zugunsten der „Aktion Mensch“ veranstaltet. So widmete der ohne Gage aufgetretene Jay Alexander auch gleich das erste, in Neuenbürg entstandene Lied „Im schönsten Wiesengrunde“ seinem Verfasser Wilhelm Ganzhorn und dessen anwesendem, überaus herzlich begrüßtem Urenkel Dr. Jürg Arnold, wie er auch für alle weiteren Stücke zum einen den Entstehungshintergrund, zum anderen dazu passende Begebenheiten, Orte, aber auch Gefühle aus seiner Jugend zitierte. Begleitet wurde der durch das Duo „Marshall & Alexander“ internationale bekannt gewordene Tenor von der „Camerata Pforzheim“ unter der Leitung von Adrian Werum. Die von Richard Whilds, ursprünglich für die Aufnahmen mit dem „Melidonie Orchestra“ arrangierten Stücke, in denen der Komponist und Korrepetitor die jeweilige Stimmung im Lied in Klangfarben umsetzt, wurden sehr einfühlsam von Wolfgang Drechsler dem kleineren „Camerata“-Ensemble auf den Leib geschrieben. So erinnerten die perlenden Läufe des Klaviers (Boris Ritter) und das Akkordeon (Martin Kerber) in „Schlafe, mein Prinzchen“ an eine Spieluhr, steigerte sich die Tragik in „Es waren zwei Königskinder“ durch einen deutlichen Wechsel in Moll-Tonlagen, ließen die Streicher den Wellenschlag des Rheins beim Loreley-Felsen am untergehenden Schiff erkennen.

Der überwältigte Jay Alexander

Etwas von dieser Authentizität und gleichzeitig schwer greifbaren Begrifflichkeit, die man mit dem Wort „Heimat“ assoziiert, strahlte der 1971 als Alexander Pfitzenmeier  in Pforzheim geborene Jay Alexander aus: Unverkrampftheit gegenüber einer Jahrhunderte alten Tradition, Ruhe, Verinnerlichung, Wärme, die auf das Publikum abstrahlte. Nicht zuletzt unterstrichen auch sein sympathisches Äußeres im schwarzen Anzug, seine glänzenden Augen, sein dunkler Teint sowie seine wunderschönen Hände, die selbst aus der Distanz nicht minder berührten wie seine glasklare, kraftvolle und doch lyrisch-weiche Stimme, seine Intentionen, mit diesem Auftritt zumindest für zwei Stunden das Volkslied aus der Versenkung hervor zu holen. „Den Zuschauern war es an den Gesichtern abzulesen, dass sich in ihnen ein persönliches, inneres Fotoalbum öffnete und sie mir ihre ganze Aufmerksamkeit schenkten“ zeigte sich Jay Alexander am Ende überwältigt von den Reaktionen und dem euphorischen Applaus. Angesteckt von dieser überschwappenden Begeisterung folgten die Zuhörer der Aufforderung Alexanders und stimmten nach dem bereits eingangs gemeinsam gesungenen „Geh aus mein Herz und suche Freud’“ nochmals ein in „Guten Abend, gut Nacht“ unter dessen letzten Versen Sänger und Musiker hinter der Bühne verschwanden. Viele Minuten langer stehender Applaus war das besondere „Dankeschöne“ des überaus begeisterten und faszinierten Publikums.

Dank und Anerkennung

Jay Alexander habe mit diesem Konzert einen musikalischen Hochgenuss, mehr noch, ein kulturelles Ereignis geboten, das dem „Festival der guten Taten“ und der „Aktion Mensch“ zur Ehre gereiche. Jay Alexander habe sich mit diesem Konzert zur Heimat bekannt und gezeigt, was Bodenständigkeit heiße und bedeute. „Dieses Konzert und die damit verknüpfte Solidarität des Künstlers war nicht selbstverständlich und verdient daher Respekt“, betonte der Bürgermeister wörtlich. Der Leiter des Kulturamtes, Jürgen Härter, der mit großer kollegialer Unterstützung dieses Benefizkonzert organisiert hatte, überreichte – auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der „Frischglück“-ARGE Bergbau – Jay Alexander ein besonderes symbolhaftes Geschenk: Ein Stück „Heimat“, und zwar Eisenerz aus einem der alten Neuenbürger Bergwerke, also aus dem „Innern der heimatlichen Erde“. Er entbot dem Künstler nach altem bergmännischen Brauch ein herzliches „Glückauf“.     

(Text/Fotos: K. Ferenbach)


 

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