Das Erbe des Heimatdichters ERBE findet Anerkennung / Reich bebildert und grafisch schön gestaltet

Eine so romantische Stadt wie Neuenbürg, eingebettet zwischen tannenreichen Schwarzwaldbergen und mit einem schönen historischen Stadtkern sowie dem darüber thronenden Schloss, hat schon immer Dichter, Lyriker und Geschichtenerzähler inspiriert. Und nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die reizvolle Umgebung, die vielen Gaststätten und die unterschiedlichen, alten  Handwerksbetriebe, welche es in früherer Zeit in der alten Bergwerks- und Oberamtsstadt gab, fanden ihren Niederschlag in Publikationen – und jüngst in einem sehr attraktiven kleinen Gedichtband. Es sind „Gedichte und Geschichten aus Neuenbürg an der Enz“. So gesehen ist es eine gedruckte Sammlung des geistigen Erbes des Heimatdichters Richard Blaich (1886 – 1975). Unter dem Pseudonym  „ERBE“ hat er über Jahrzehnte hinweg seine Gedichte und Geschichten geschrieben. Sie wurden im „Enztäler“, später  auch im „Stadtbote“ veröffentlicht. In all den Prosawerken ist die Liebe zu seiner Geburtsstadt, zur Natur, zu allem dem, was Neuenbürg so Gutes und Schönes bieten konnte, zum Ausdruck gekommen. Das bekannteste, bereits sogar zum zweiten Mal vertonte und bekannteste Gesicht ist das Neuenbürger Heimatlied „Was raunt der Wald zur Abendstunde, der unser Städtlein traut umkränzt...“

Der Gedichtband, von seinem Sohn Erich Blaich liebevoll erarbeitet und herausgegeben, ist in unterschiedliche Abschnitte wie „Heimat“ oder „Jahreszeiten“ bzw. „Anekdoten“ sowie „Heiteres und Besinnliches“ aufgeteilt. Auf über 140 Seiten bietet dieses kleine autodidaktische, reich bebilderte literarische Werk ein Lesevergnügen besonderer Art. So schilderte er in seinen Gedichten die schöne Landschaft, die liebenswerten und manchmal auch die weniger angenehmen Eigenschaften seiner Mitmenschen. Gelegentlich nahm er zudem zu sozialen und politischen Ereignissen Stellung. Richard Blaich schrieb Schriftdeutsch und wie ihm der „Schnabel“ gewachsen war, wobei vor allem das  Mundartliche einen mitunter köstlichen, sogar einen satirisch-humorvollen Hintergrund zeigte.

„ERBE“, alias Richard Blaich sen., war ein außergewöhnlicher Mann. Er lernte Sensenschmied, war später Schutzmann bzw. Polizist in kommunalen und dann in Landesdiensten. Er war poetisch begabt und besaß ein herausragendes Sprachpotential. Gartenarbeit und Gedichte schreiben – das waren seine liebsten Freizeitbeschäftigungen. Dabei zeigte er sich als feinsinniger, durchaus aber auch kritischer und streitbarer Beobachter mit einer tiefen Heimatverbundenheit.

Grafisch eindrucksvoll gestaltet und gedruckt wurde dieser Gedichtsband von der Firma Biesinger Druck GmbH & Co. KG in Neuenbürg. Nun ist dieses kleine aber feine Buch eine echte Fundgrube für „alte“ und „neue“ Neuenbürger, denn auf diese Weise kann man als Leserin oder Leser der – nicht immer – „guten alten Zeit“ mit ihren Eigenheiten begegnen. Alles, was Richard Blaich sen. mit Tinte zu Papier gebracht und sein Sohn Erich Blaich zusammengetragen hat, ist Volkspoesie und heimatliche Kultur zugleich. Es war an der Zeit, das „ERBE“-Erbe zu bewahren – und dafür ist seinem Sohn Erich herzlich zu danken.

Der Neuenbürger Heimatdichter „ERBE“, Richard Blaich (1886 – 1975).



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